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EXTREMWETTERKONGRESS vom 16. bis 17. Februar 2006
Rund 450 Klimaexperten, Diplom- und Hobbymeteorologen kamen auf Einladung von Frank Böttcher, Herausgeber des gerade erst neu erschienenen „Wettermagazin“ und des renomierten Hamburger Max-Planck-Instituts in die Hansestadt an der Elbe. Der Grundtenor des Kongresses zeigte, dass Deutschland sich auf spürbare klimatische Änderungen einstellen muß. Die renomierten Klimaforscher Prof. Dr. Claussen von der Universität Hamburg (Direktor am Max-Planck-Institut) und Prof. Dr. Mojib Latif (vom Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften, Ozeanzirkulation und Klimadynamik an der Universität Kiel) zeigten in ihren Vorträgen die schwerwiegenden Folgen des nun schon unwiderruflich eingesetzten Treibhauseffekts („Global Warming“) für den Erdball. Zwar sei das Wetter an sich im günstigsten Falle bis zu 14 Tage vorhersagbar, aber über diese Grenze wird man selbst in ferner Zukunft kaum hinauskommen, da der berühmte Schmetterlingseffekt dies schlichtweg verhindere. Klimaprognosen hingegen werden auf Grundlage langer Klimareihen und Umwelteinflüssen berechnet und können so wesentlich weiter in die Zukunft blicken. Latif verglich die Klimaänderungen mit einem „gezinkten Würfel“, der „Sechser“ (Extremwetter) werde in Zukunft immer öfter fallen, die Verschiebung des Klimas hin zu milderen Wetterlagen lässt sich nicht mehr verhindern. Die Treibhausgasemissionen sind seit 1990 von 22 Milliarden Tonnen auf 27 Milliarden Tonnen im Jahr 2005 weltweit gestiegen, Deutschland rangiert nach den USA, China, Russland, Japan und Indien auf Platz sechs der größten CO2-Produzenten. Das Jahr 2005 war weltweit das bislang wärmste Jahr seit rund 1.000 Jahren. Latif rechnet je nach Modellrechnungen mit einer Erderwärmung bis zum Jahr 2100 um 1,2 bis 5,8 Grad. Verglichen mit dem Temperaturanstieg seit der letzten Eiszeit, der in 20.000 Jahren fünf Grad bescherte, sind fünf Grad in nun rund 100 Jahren als dramatisch anzusehen. Für Deutschland befürchtet Latif das Auftreten von sehr nassen Wintern speziell im Alpenraum und Tschechien sowie in Nordosteuropa. Die Fröste werden weniger werden, dafür die Hitzewellen sich deutlich vermehren, die Extremniederschläge weniger, dafür um so heftiger niedergehen. Eine „kleine Eiszeit“ in Mitteleuropa durch das Einschlafen des Golfstroms im Nordatlantik sieht Latif nicht: „Der Treibhauseffekt wird diese mögliche Abkühlung überkompensieren, es wird in Europa eben nicht ganz so extrem wärmer werden wie in anderen Teilen der Erde.“ Ebenso wie Mojib Latif sahen u.a. auch Tobias Grimm, Experte für Sturm und Wetterrisiken der Münchener Rückversicherungsgesellschaft, und Arved Fuchs (Polarforscher und Expeditionsleiter) dringenden Handlungsbedarf, um die Folgen des Treibhauseffekts zu minimieren: Spitzbergen nahe dem Nordpol war im Januar 2006 erstmals in seiner langen Besiedelungshistorie eisfrei, ja selbst die noch näher am Nordpol liegenden russischen Inseln Franz-Josef-Land waren mitten im Winter mit dem Schiff zu erreichen. Dr. Daniela Jakob, Leiterin des Klimarechenzentrums in Hamburg eröffnete in ihrem Vortrag „Extremwetter auch in Deutschland?“ dem Fachpublikum ungeahnte Möglichkeiten für die Zukunft: Voraussichtlich ab Mai 2006 werden den Communities Zugänge zum Klimarechenzentrum gewährt, die den Forschern die Möglichkeit der regionalen Langfristklimaprognose eröffnen sollen: „Die Klimamodellierung werden wir vom globalen Gitterraster auf ein regionales Klimamodell mit einem Gitterpunktraster von zehn mal zehn Kilometern herunterrechnen können!“ Anhand von Deutschlandkarten gab sie dem Kongress schon die Möglichkeit einer Vorschau. Auch der wohl bekannteste Medien-Meteorologe Jörg Kachelmann sieht dringenden Handlungsbedarf beim Bau von neuen Wetterstationen im Bundesgebiet, damit regionale Wetterprognosen noch genauer erstellt werden und bislang nicht entdeckte Extremwetter erfasst werden können. © Text Hans-Martin Goede, Vorstand ReH e.V. |